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Es tanzt der Narr ganz nah am Fluß.
Umarmt die Sonne! Singt: Fliege, kleiner Vogel, fliege.
Bring der Liebsten einen Gruß."

Nun fügt sich eins zum andern. Der Drache steigt herab aus seiner Burg. Im selben Augenblick schrumpft er und schwindet wie die Finsternis dem Licht.
Der Prinz findet die Prinzessin.
Die Schlange zischt den Vogel an.
Am Fluß des Schweigens feiern sie gemeinsam das Fest des Wiedersehns. Um in alle Ewigkeit diesem Freudenfest zuschauen zu können, baut der weise Vogel im Lebensbaum sein Nest. Alle singen zusammen und durcheinander, jeder sein eigen Lied, erst leise und zart, dann bis zum Höhepunkt sich steigernd.

Narr singt und spielt dazwischen Flöte.

"Dideldumdei,
welch Wunder ist das Ei!
Was gibt es zu besingen
Von irgend andren Dingen?
Oh Herz, oh welch ein Wunder!
So hört doch mit dem Plunder auf!
Fluderquatsch mit Soße drauf!"

Flötentöne.

"Ihr da unten. Ihr da oben!
Seid mehr als dreimal klug.
Doch wenn der Liebe Stürme toben -
Welch Unfug! Welch Unfug!

Wenn Wind durch das Gewohnte fegt -
Tiere tollen in den Gassen.
Alles sieht so sinnlich aus.
Das könnt ihr einfach nicht mehr fassen,
Wenn der Freund aufs Ohr sich legt.

Wenns vorbei ist,
dann - kommt ihr - vernünftig raus
und wißt genau Bescheid:
Wie sieht's denn heut' mit Morgen aus?
Jetzt - ?
Keine Zeit - jetzt keine Zeit,
muß mich ums Essen sorgen."

Flötentöne.

"Oh, hört das Wunder Flötentön -
Ich tränk' so gerne Klötenköhm!
Dideldumdei!"

"Verloren ist ach -
all tiefer Sinn.
Aus'm Diesseits grüßt
der Narr, der
ICH BIN!"

Finale
Prinz und Prinzessin umarmen und liebkosen einander, singend und tanzend.

"Oh, Herz! Oh, Wunder!
Oh, Jammer! Oh, Schmerz!
Oh, Herz! Oh, Wunder!"

Der weise Vogel flattert, daß Federn fliegen.

"Ob Feuersbrunst den Leib vernichtet,
ob Tod der Liebsten Fleisch verzehrt.
Ich - hab euch dieses Lied gedichtet,
o hört jetzt, o hört!


Ewig singt der Fliegende
Von Anfang an das Ende.

Ewig liebt der Liebende
Von Anfang an das Ende.

Ewig sieht der Schweigende
Von Anfang an das Ende."

Die Schlange zischt dazwischen.

"Liebster, kleiner Viehpel-Lurch,
wie geht's, wie steht's mit deinem Ende?
Heißes Mädchen kommt überall durch.
Nimms selber in die Hände!

Oh Kopf voll Supp' und Wunden,
Schrunzelpunzel?
Lieb mich - wie in erster Nacht.
Lösch aus - lösch aus die Funzel.
Hast du jetzt endlich mich gefunden?"

Nachdem sich der Drache im Lichte vollends aufgelöst hatte, taucht er jetzt durch den Notausgang wieder hereinkommend auf und hopst wie toll umher.

"Bu hu meck meck ho ho!
So froh bin ich , so froh!
Wer macht denn hier den Dreck hin?

Ich bin so froh, so froh!
Weil ich jetzt weg bin!
Bu hu meck meck ho ho!"

Stille. - In die Stille hinein tanzt der Narr. Der Narr ist der Tanz.

"Allein." - beginnt der Vogel aufs Neue den Gesang, in den alle einzeln
und nacheinander wieder einstimmen.

"Allein,
derweil der Narr,
er tanzt schon mal voraus... ins Unsagbare..."

(c) Schmejkal, Gartlgruber 1981

Sinndeutung zur Geschichte

von Premdharma S. Gartlgruber